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Wutanfall (im Auto)? Was du tun kannst, um ruhig und gelassen zu bleiben

Genervte Gesichter, Wutausbrüche und Schimpftriaden sind in unseren Autos keine Seltenheit. Es überkommt einen einfach, weil dieses rücksichtslose Arschloch den Vorrang missachtet hat oder weil wir im Verkehr stecken und es einfach nicht vorwärts geht. Es ist einfach ungerecht und zum Kotzen. Was du tun kannst wenn auch du öfters im Auto die Fassung verlierst, erfährst du in diesem Artikel.

Oft bekomme ich von Leuten zu hören, dass es gut tut sich im Auto aufzuregen und seinem Ärger Luft zu machen. Aber mal ehrlich, niemandem tut Ärger letztendlich wirklich gut. Auch wenn jede Emotion ihre Berechtigung hat, kommt es dabei auf die Sinnhaftigkeit und den Kontext an. Abgesehen von den negativen Auswirkungen auf deinen Zustand (State), ändert sich im Auto nichts durch deinen Zorn. Du bekommst lediglich schlechte Laune und hast womöglich noch deiner Gesundheit geschadet. Und wofür das alles? Dafür, dass du immer noch im Verkehr fest steckst? Dafür, dass du am fahrlässigen Manöver des rücksichtslosen Idioten nichts ändern kannst? Das ist es einfach nicht wert, damit schadest du dir nur selbst. Es ist einfach sinnlos sich über Dinge und Situationen aufzuregen, auf die du keinen Einfluss hast.

Achte stattdessen auf deine Verfassung, deinen State. Mache dir bewusst ob du die Energie des Ärgers für eine Handlung oder Aktion nutzen kannst, oder ob es sinnlos wäre sich weiterhin aufzuregen (so wie im Auto) und du bloß deine Energie damit vergeuden würdest.

Eine Geschichte die dein Leben verändert

Einer meiner Lehrmeister, der renommierte Lebens-Coach und NLP Master-Trainer  Roman Braun, erzähle einmal Folgende Geschichte. Sie hat wahrlich das Potential dein Leben zu verändern und Anstoß dafür zu sein, mit Ärger anders umzugehen…

Ich war gerade auf dem Heimweg von einem Seminar und traf die schlechte Entscheidung über die Süd-Ost Tangente, eine Autobahn in Wien, zu fahren. Das Problem ist, bei schlechtem Wetter wird sie hin und wieder zu einem sehr sehr langen Parkplatz. Da es keinen Millimeter vorwärts ging, schaltete ich den Motor ab und machte es mir bequem. Ich stellte mich darauf ein, die nächsten Stunden hier zu verbringen. Ich schaute mich ein wenig um, als diese eine Frau bemerkte. Sie hielt das Lenkrad immer noch mit geballten Fäusten fest, so dass man ihre Knöchel durch die Dunkelheit leuchten sah. Während dessen schrie sie voller Wut, doch neben ihr im Auto war niemand. Sie hatte auch kein Headset und es sah auch nicht so aus als würde sie telefonieren. Ich beobachtete sie erstaunt und hatte nicht den Eindruck, als würde sie ihre Schimpftriade bald beenden. So nahm ich ein Stück Schokolade die ich in meinen Seminaren austeile, stieg aus, machte mich auf den Weg zu ihrem Auto und klopfte an die Scheibe. Sie öffnete das Fenster einen Spalt und ich sagte zu ihr: „Ich habe bemerkt, dass sie ein wenig aufgebracht waren und dachte mir, dass sie vielleicht ein Stück Schokolade möchten.“ Sie war überrascht, suchte nach den richtigen Worten und sagte letztendlich verwirrt: „Nein danke, ich darf keine Süßigkeiten von Fremden annehmen.“ Jetzt war ich der Blöde. Stand da, mitten auf der Tangente mit einem Stück Schokolade in der Hand und eine eindeutig erwachsene Frau sagte mir, sie dürfe keine Schokolade von Fremden annehmen. So startete ich einen neuen Versuch ihren Gemütszustand zu verbessern und sagte: „Wissen Sie, vor kurzem stand ich in einem Stau. Das Auto einer Frau wollte nicht mehr anspringen. Die anderen Fahrer wurden schon ungeduldig und begannen zu hupen. Doch plötzlich stieg die Frau aus, ging zum Fahrer hinter ihr und sagte: >Sie als Mann kennen sich mit der ganzen Technik sicher besser aus. Könnten sie mir bitte helfen und versuchen mein Auto zu starten? Ich warte währenddessen hier und kann auch gerne für sie weiter hupen<.“ Daraufhin kicherte die, noch kurz zuvor in ihrer Wut gefangenen, Frau und fragte etwas verwirrt warum ich ihr diese Geschichte erzählt habe. (Das Kichern ist übrigens ein gutes Zeichen, da es ein Zeichen dafür ist, dass ihr negatives Muster unterbrochen wurde.) Ich antwortete ihr: „Falls es für den großen Plan des Universums für irgendetwas wichtig ist, dass sich jemand in Ihrem Auto ärgert, dann übernehme ich das für Sie fünf Minuten lang. Sie können sich in der Zwischenzeit bewegen, frische Luft schnappen und entspannen. Aber danach müssen Sie mich wieder ablösen, weil ich würde das nicht länger als fünf Minuten tun.“ Daraufhin machte es „klick“ bei ihr. Sie öffnete das Fenster, nahm die Schokolade und von da an unterhielten wir uns prächtig.

Destruktiver Ärger vs. konstruktiven Ärger

Nach meinem Verständnis sagt der Dalai Lama, dass der erste Schritt im Umgang mit sinnlosem und destruktivem Ärger darin besteht, zu erkennen, dass man ohne ihn besser dran ist. So wie die Frau in der obigen Geschichte. Zuerst war sie in ihrem Ärger gefangen. Doch als ihr klar wurde wie sinnlos es war sich aufzuregen, war sie Imstande ihren State zu verändern und ihren dadurch Zorn gehen zu lassen. Als nächsten Schritt  ist es sinnvoll die Unterscheidung zwischen destruktivem und konstruktivem Ärger zu treffen.

Wie bereits anfangs kurz beschrieben ist Ärger dann sinnvoll und konstruktiv, wenn er Energie für eine kommende Handlung oder Aktion liefert. Zum Beispiel wenn dich am Verhalten einer anderen Person etwas stört und dein Ärger dazu führt, dass du dein Anliegen mit der anderen Person besprichst. Wenn dich etwas ärgert frage dich also, was du diesbezüglich konkret tun möchtest. Da du aber in gewissen Situationen nichts tun kannst, wie zum Beispiel im Auto, ist dein Ärger hier sinnlos und vergeudete Energie. Frage dich in solch einem Fall stattdessen, wofür die Situation eine Gelegenheit ist. Wenn du Beispielsweise im Stau steckst könntest du die Zeit Nutzen um ein längst überfälliges Telefonat zu führen, ein Buch zu lesen, deine Lieblings Band oder ein Hörbuch anhören, meditieren oder dich entspannen und in Geduld üben. Mit diesem Bewusstsein versetzt du dich in deinen Personal Power State und hast die Möglichkeit auf eine neue und sinnvolle Art mit Ärger umzugehen. Dadurch hast du die Fäden wieder selbst in der Hand und übernimmst Verantwortung dafür, wie du dich fühlst.

Fazit

Du hast jetzt einige Möglichkeiten kennengelernt, um auch in herausfordernden Situationen gelassen zu bleiben, bzw. die Energie des Zorns sinnvoll zu nutzen. Sollte Ärger oder eine andere negative Emotion eine überwiegende Rolle in deinem Leben spielen, kann die Zusammenarbeit mit einem Experten deine Lebensqualität merklich verbessern.

Siehe auch “Die 3 Säulen eines glücklichen Lebens” und “Konflikte und Auseinandersetzungen: Was tun, wenn es richtig kracht?”

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