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Wie du Krisen und schwere Zeiten bewältigst und daran wachsen kannst

Herausforderungen, Rückschläge und Probleme sind im Leben unvermeidbar und betreffen jeden von uns. Trotzdem wird uns in Schul- und Berufsausbildung kein adäquater Umgang mit schweren Zeiten beigebracht. Was soll man also tun, wenn man am Boden zerstört ist und keinen Ausweg aus seiner Misere sieht? Hier mein Rat an all jene, die sich gerade in einer Krise befinden und sich fragen: „Wie soll ich das nur überstehen und was kann ich tun, wenn gar nichts hilft?“

Eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Problemen und Krisen spielt der Zustand (State), in dem wir uns befinden. Durch die richtigen Fragen können wir schlagartig unseren Fokus und Blickwinkel verändern und dadurch unseren State verbessern. Wichtig ist, dass es dabei nicht um krampfhaftes Schönreden oder „positives Denken“ geht, sondern um ein Verbessern unserer Situation. Da sich Krisen in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen bewältigen lassen, ist es wichtig zu wissen, was man tun kann, um durchzuhalten. Wie kann man Kraft tanken und Hoffnung schöpfen und die Krise mit kleinen aber stetigen Schritten hinter sich lassen?
Um ein Problem bewältigen zu können, ist es essentiell seinen State zu verbessern, um:

  • durchzuhalten und neue, kreative Lösungen entwickeln zu können
  • und seine Sichtweise(n) darauf zu ändern, um damit abschließen zu können.

Dabei helfen können dir so genannte Ressource- und Lösungsorientierte Fragen, welche ich dir im weiteren Verlauf vorstellen werde. Durch sie wird es dir möglich, deine Negativspirale zu durchbrechen und dich in deinen Personal Power State zu versetzen. Des Weiteren ist oft auch eine Intervention, welche speziell an die betroffene Person und deren Situation angepasst wird, nötig. Diese sollte unbedingt von einem Experten ausgewählt und durchgeführt werden.

Krisen mit dramatischem Auslöser

Ein häufiger Auslöser für Krisen sind dramatische und belastende Erlebnisse. Dazu gehören unter anderem Misshandlungen, Naturgewalten, Trennungen, Todesfälle, erlebte oder mitangesehene Unfälle, sowie andere psychisch oder physisch belastende und bedrohliche Situationen. Allerdings führt ein solches Erlebnis nicht automatisch zu einer Krise. Wie so eine Situation verarbeitet wird, hängt stark von der Persönlichkeitsstruktur und den bisherigen Erfahrungen des Betroffenen ab.

Fallbeispiel: (Name wurde geändert) Alexandra, 27 Jahre alt, von Beruf Lehrerin, und ihre ältere Schwester wurden als Kinder immer wieder vom Vater verprügelt und misshandelt. Sie wandte sich an mich und erzählte:

„Bis heute belasten mich die schrecklichen Erlebnisse von damals sehr. Prinzipiell bin ich ein lebenslustiger Mensch, doch schon bei unerwartet lauten Geräuschen werde ich immer wieder an die Situationen von damals erinnert. Ich bekomme diese schlimmen Bilder, das Gebrüll und die qualvollen Schmerzensschreie einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wie ein Film läuft es immer wieder vor meinem geistigen Auge ab und ich kann nichts dagegen tun. Einmal wurde es so schlimm, dass die negativen Gefühle mich total überwältigten und ich regelrecht in Panik geriet.“

In so einem Fall ist es wichtig der betroffenen Person neue Sichtweisen in Bezug auf das Anliegen zu ermöglichen und Ressourcen bewusst zu machen:

  • Was würde jetzt sofort helfen, damit es dir ein wenig besser geht?
  • Wodurch kannst du Kraft und Energie schöpfen? Was tut dir gut?
  • Was kannst du laufend tun, damit es dir besser geht? Was hat früher geholfen?
  • Was ist an diesem Problem positiv? Welchen Sinn hat das Geschehene für mich und andere?

Auf den ersten Blick mag es absurd klingen bei so einem schrecklichen Ereignis nach etwas Positivem zu fragen beziehungsweise der Person einen Sinn näher bringen zu wollen. Doch mit etwas Fingerspitzengefühl können diese Fragen sehr wertvoll und ergiebig sein. Alexandra erkannte beispielsweise, dass sie durch die gemeinsam  erlebten Qualen eine sehr enge Beziehung zu ihrer Schwester hat. Des Weiteren wurde ihr bewusst, wenn sie Erlebnisse wie diese überstehen konnte, könne sie auch jede weitere Herausforderung des Lebens meistern. Auf die weiteren Fragen kamen Antworten wie ihre Beziehung und Freunde, Gespräche mit ihrer Mutter, Sport und Basteln. Hier ist es einfach wichtig zu erkennen, was für Ressourcen vorhanden sind und diese dann aktiv zu nutzen. Des Weiteren führten die Fragen dazu, dass sich Alexandras State erheblich verbesserte und das wiederum die weitere Zusammenarbeit erleichterte.

Aufgrund der großen Intensität, die dieses Thema auf Alexandra hatte, war eine spezifische Intervention im Coaching erforderlich, bevor sie die Situation ganz verarbeiten konnte. In ihrem Fall ging es darum die überwältigenden Gefühle, die sie hatte, wenn sie an die Situation dachte oder erinnert wurde, in den Griff zu bekommen und zu transformieren. Dadurch wurde es ihr möglich auch mit diesen schrecklichen Erlebnissen unbeschwert und befreit durchs Leben zu gehen.

Eine ausführlichere Beschreibung samt Schritt für Schritt Anleitung, um mit Krisen umzugehen, findest du in meinem Report “Wie du zur besten Version von dir selbst wirst”.

Krisen ohne scheinbaren Auslöser

Klingt komisch, ist aber so. Wir gelangen ziemlich schnell in eine unangenehme Situation, wenn die Regeln, die wir uns selbst auferlegt haben so schwer zu erfüllen sind, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nie gerecht werden können. Sprich, wenn unser Idealbild kaum zu erreichen ist und uns überfordert. Das wiederum führt dazu, dass wir uns unter Druck setzen, unzufrieden werden und dauerhaft in einen schlechten State geraten.

Fallbeispiel: (Name wurde geändert) Rene, ein 42 Jähriger Unternehmer, hat das Leben, dass sich viele nur erträumen können und ist trotzdem unzufrieden und deprimiert. Er erzählte:

„Ich habe eine wunderbare Frau und zwei Kinder, die ich über alles liebe. Die Beziehung läuft großartig. Ich liebe die Arbeit in meinem Unternehmen und darüber hinaus ist der Verdienst fantastisch. Wir haben ein Haus im Grünen, so wie wir es uns immer gewünscht haben und ich habe genug Freizeit um meinen Hobbies nachzugehen. Und ich weiß, ich habe allen Grund glücklich und zufrieden zu sein, bin es aber nicht. Denn wirklich glücklich und erfolgreich wäre ich erst dann, wenn ich 15 % mehr Umsatz machen würde, bei einem Konflikt mit meiner Frau immer ruhig und konstruktiv bleiben würde, niemals wütend auf meine Kinder wäre und  etwas schlanker um die Hüften wäre.“

Wie realistisch ist es, dass Rene mit diesen Regeln und Anforderungen an sich selbst glücklich und zufrieden ist. Die Chance ist gleich Null. Die Gefahr besteht bei diesem Denkmuster auch darin, dass er auch dann unzufrieden bleibt, sollte er die oben genannten Ziele irgendwann erfüllen. Denn ziemlich sicher würde er bei Erreichen dieser, die Latte gleich wieder höher legen. In einem Fall wie diesem ist es wichtig, dass die betroffene Person wieder zu schätzen lernt, was bereits ist:

  • Worüber könntest du in diesem Augenblick deines Lebens glücklich sein? Was genau macht dich daran glücklich? Welches Gefühl löst der Gedanke in dir aus?
  • Worauf kannst du in diesem Augenblick deines Lebens stolz sein? Was genau lässt dich stolz sein? Welches Gefühl löst der Gedanke in dir aus?
  • Wofür kannst du in diesem Augenblick deines Lebens dankbar sein? Was genau lässt dich dankbar sein? Welches Gefühl löst der Gedanke in dir aus?

Als erstes antwortete Rene, dass er über nichts glücklich ist. Deswegen blieb ich hartnäckig und fragte: „Worüber könntest du glücklich sein, jetzt, wenn du es wirklich wollen würdest?“ Er dachte noch einmal nach und sagte schließlich über seine Frau und Kinder. Sie sei immer für ihn da und sehr liebevoll. Ich fragte nach: „Worüber bist du bei dem Gedanken an eure liebevolle Beziehung genau glücklich und was löst das in dir aus?“ …

Egal, ob du dir diese Fragen nun selbst oder jemand anderem stellst, man könnte auf den Gedanken kommen, dass man die betroffene Person damit nur ablenken würde. Doch das wäre zu kurz gedacht. Im weiteren Verlauf des Gespräches blühte Rene förmlich auf. Ich habe ihm geholfen sein einschränkendes Muster zu unterbrechen und dadurch seinen schlechten State zu überwinden. Je besser man sich fühlt und je besser der State ist in dem man sich befindet, desto bessere Möglichkeiten findet man, um Herausforderungen zu bewältigen.

In der weiteren Zusammenarbeit mit Rene war es wichtig, durch eine geeignete Intervention sein Idealbild so zu verändern, dass es statt überfordernd herausfordernd wirkte. Das heißt, er musste sich auch weiterhin bemühen und danach streben, sein neues Idealbild zu erreichen. Doch durch die Möglichkeit diesem gerecht sein zu können und dem damit verbundenen Erfolgsgefühl, wurde Zufriedenheit und Entwicklung wieder möglich.

Fazit

Ressource- und Lösungsorientierte Fragen können dir dabei helfen, deine  Probleme zu überwinden und schwere Zeiten durchzustehen. Solltest du am Boden zerstört sein und keine Hoffnung auf Besserung sehen, dann suche dir, wenn möglich, professionelle Hilfe. Die meisten Probleme bleiben bestehen, werden schmerzhafter und klopfen so lange an unsere Tür, bis wir sie gelöst haben.

Siehe auch “Misserfolg: Seine Gründe und wie du ihm entkommst” und “Krank vor Sorge: Was du tun kannst, damit die ständigen Ängste und Sorgen aufhören

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