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Schüchternheit: Was du tun kannst, um im Umgang mit anderen selbstbewusst zu werden

„Werde ich mich blamieren?“ „Wird sie mich ablehnen?“ oder „Wie wird er bloß reagieren?“ sind Fragen die sich meine Klienten häufig stellen. Egal ob es darum geht eine attraktive Frau anzusprechen, mit einem gut aussehenden Mann zu flirten oder sich in eine Gruppe Unbekannter zu integrieren, die Ursache für Schüchternheit ist oft die gleiche. Was du tun kannst, um im Umgang mit anderen Menschen selbstsicherer und kompetenter zu werden und dabei immer noch du selbst zu sein, erfährst du in diesem Artikel.

Die auslösenden Situationen für Schüchternheit, zurückhaltendes oder zögerndes Verhalten können sich von Person zu Person unterscheiden. Die dahinterstehende Angst nicht akzeptiert, abgelehnt oder verletzt zu werden steckt jedoch in jedem von uns. Das Problem ist allerdings nicht die Schüchternheit an sich, sondern dass sich viele Menschen über ihren schüchternen Zustand (State) identifizieren und nicht bereit sind etwas dagegen zu tun. Sätze wie „So bin ich einfach“,  „So war ich schon immer“ oder „Das macht mich aus“ deuten darauf hin, dass die Person ihre Schüchternheit als gegeben ansieht und sich damit identifiziert. Wir Menschen sind jedoch mehr als ein Teil von uns und auch mehr als die Summe unserer Teile und Entwicklung gehört zum Leben eines jeden von uns dazu.

Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der sich als Kind dazu entschieden hat lieber weiter auf allen Vieren zu krabbeln und nicht gehen zu lernen, weil er einfach so ist oder weil er sonst einen Teil seiner Persönlichkeit aufgeben würde. Weiterentwicklung und persönliches Wachstum bedeuten fast immer seine Komfortzone zu verlassen und dadurch auch zu erweitern. Das Kind das gerade gehen lernt fällt immer wieder hin und hat viele Misserfolge zu verzeichnen. Doch die Konsequenzen nicht gehen zu lernen wären fatal und die Möglichkeiten die sich dem Kind durch die gemachte Entwicklung eröffnen, sind beinahe grenzenlos.

Negative Emotionen als Handlungshinweis

Jede Emotion hat ihre Berechtigung, doch es kommt auf die Sinnhaftigkeit und den Kontext an. Wenn du dich zum Beispiel ärgerst während du mit deinem Auto im Stau stehst, bringt das gar nichts. Egal wie viel du dich auch ärgern magst, der Stau wird deswegen nicht schneller vergehen. In diesem Fall wäre der Ärger ein Handlungshinweis dafür, zu erkennen wie sinnlos dieses Verhalten im Moment ist und es Zeit ist durchzuatmen und zu entspannen. Wenn du dich jedoch mit deinem Partner/ deiner Partnerin streitest, dann ist der Ärger ein Zeichen für ein unerfülltes Bedürfnis, welches du erkennen und kommunizieren kannst.

Sehr ähnlich verhält es sich mit Schüchternheit. Wenn ein gewisses Maß an Zurückhaltung dazu beiträgt, dass du dich nicht sofort jedem dein ganzes Leben anvertraust und du gewissenhaft und überlegt handelst, ist das gut. Wenn dich deine Schüchternheit jedoch daran hindert mit Menschen in Kontakt zu kommen und neue Freunde oder potentielle Geschäfts- oder Beziehungspartner/Partnerinnen kennenzulernen, dann solltest du sie als Handlungshinweis verstehen.

Einerseits als Hinweis darauf, dass du dich in der Situation, in welcher du nervös bist, auf hinderliche anstatt auf förderliche Dinge fokussierst. Während du dich auf eine Performance oder Herausforderung vorbereitest, macht es natürlich Sinn, alle Eventualitäten vorwegzunehmen und Lösungen für mögliche Probleme in petto zu haben. Doch in der Situation selbst schadest du dir bloß selbst, wenn du deine Konzentration auf deine Schwächen richtest oder dir ausmalst was alles schief gehen könnte. Herausragende Leistungen und Ergebnisse erzielst du in einem herausragenden Zustand, deinem Personal Power State. Doch diesen erreichst du nicht durch Schwarzmalerei. Fange damit an, dich während Herausforderungen auf deine Stärken und Qualitäten zu fokussieren.

Andererseits kannst du, wenn du in gewissen Situationen immer wieder durch deine Schüchternheit gehemmt wirst, diese als Hinweis dafür verstehen, dass du in diesem Bereich noch Potential zur Entwicklung hast. Triff bewusst die Entscheidung, dich in diesem Bereich weiterentwickeln zu wollen und leite alles Nötige dafür in die Wege. Die Unterschiede zwischen schüchternen und selbstbewussten Menschen, sind deren Einstellungen und deren Zustand. Schüchternheit ist genau so ein State wie Selbstsicherheit und beide können trainiert werden.

Der Schlüssel zu Selbstbewusstsein und Charisma: Dein Personal Power State

1. Nütze Vorbilder und positive Erlebnisse

Suche dir jemanden, der das was du erreichen willst bereits erreicht hat und lasse dich inspirieren. Egal ob es sich dabei um einen Bekannten, einen berühmte Persönlichkeit oder eine fiktive Figur aus Film und Fernsehen handelt. Wie sind Menschen die besonders geschickt, witzig und charmant im Umgang mit anderen sind? Untersuche deren Haltung und Verhaltensweisen und mache sie dir zu Eigen. Dinge auf die du besonders achten kannst sind:

  • Einstellungen und Verhaltensweisen
  • Körperhaltung und Gesten
  • Wortwahl
  • Sprechtempo und Tonalität

Nachdem du dir einige charismatische und eloquente Persönlichkeiten angesehen hast, kannst du dich fragen, wie sie reagieren würden und die Welt durch ihre Augen betrachten, wenn du das nächste Mal schüchtern bist. Sobald du einige positive Erfahrungen gemacht hast, kannst du auch diese Erlebnisse nutzen, um dich bei der nächsten Herausforderung in einen selbstbewussten State zu versetzen.

2. Genieße den Moment und habe keine Erwartungen

Klarer Weise gibt es Menschen die wir anziehender oder sympathischer finden als andere. Doch da es den perfekten Partner oder Freund sowieso nicht gibt, hör auf dich mit zu hohen Erwartungen unter Druck zu setzen. Du musst beim ersten Kontakt oder Kennenlernen nicht die Nummer bekommen und auch nicht deinen neuen besten Freund gefunden haben. Auch dann nicht, wenn du diese Person vielleicht nie wieder sehen solltest. Mit zu hohen Erwartungen oder immer dann wenn du etwas erreichen „musst“, setzt du dich unter Druck und das verschlechtert deinen Zustand und deine Erfolgschancen. Versuche stattdessen einfach die gegenwärtige Situation zu genießen. Sei interessiert an deinem Gegenüber, ohne dabei bedürftig nach Aufmerksamkeit oder Bestätigung zu sein. Wenn du Nervös bist oder Lampenfieber hast, ist das Normal und  völlig in Ordnung. Wie wichtig und mächtig es ist keine Erwartungen zu haben und einfach den Moment zu genießen, möchte ich mit folgender Geschichte verdeutlichen:

Eines späten Abends machte ich mich mit einem Freund auf den Heimweg. Bei einer Busstation angekommen, bemerkte ich eine attraktive Frau. Da sie auch meinem Freund gefiel, sprach er sie an, um sie nach ihrer Nummer zu fragen. Ich hielt dabei etwas Abstand, um die beiden nicht zu stören. Als der Bus dann kam, stellte mein Freund uns einander vor und für den Rest der Fahrt unterhielten wir uns zu dritt. Aus mehreren Gründen hatte ich allerdings, im Gegensatz zu ihm, überhaupt keine Erwartungen an den Ausgang des Gesprächs. Erstens hatte schließlich er sie angesprochen, zweitens kam ich vom Sport und schaute in meinem Trainingsanzug sicherlich nicht besonders verführerisch aus und drittens war ich zu dem Zeitpunkt glücklich vergeben! Ich wollte also nichts erreichen, außer mich gut zu unterhalten. Nachdem ich ausgestiegen war, freute ich mich über die nette Unterhaltung mit den beiden und ging zufrieden nach Hause. Ungefähr eine Woche später erhielt ich überraschen eine SMS von ihr. Unter einem Vorwand fragte sie meinen Freund nach meiner Nummer, um mich kennen zu lernen, weil wir uns so gut unterhalten hatten.

3. Kenne deinen Wert um mit Ablehnung fertig zu werden

Für schüchterne Menschen ist Ablehnung oft fatal und niederschmetternd. Sofort beginnen sie sich in Frage zu stellen. Darunter leiden tun dann Zustand und Befindlichkeit, sowie das Selbstwertgefühl dieser Menschen. Um Ablehnung aushalten zu können, muss man sich seines Wertes bewusst sein bzw. diesen bewusst machen. Sorge dafür, dass du deine Stärken und Qualitäten kennst. Wenn du dir dieser bewusst bist, was soll dann die Meinung eines Fremden, der dich kaum oder gar nicht kennt, noch anrichten können? Darüber hinaus hat die Ablehnung oder das Desinteresse einer anderen Person in erster Linie etwas mit ihr selbst zu tun und weniger mit dir.

4. Hole dir einen Korb und übe

Der nächste Schritt, um mit Ablehnung umzugehen, ist sich dieser Situation bewusst auszusetzen. Wir Menschen fühlen uns unwohl in Situationen die wir nicht kennen. Vor dem ersten Fallschirmsprung steigt der Adrenalinspiegel ins Unermessliche und die Angst oder das Lampenfieber packen einen. Der Tandemlehrer hat hingegen so viel Routine, dass er selbst wenn er noch Adrenalin verspüren sollte, die Nerven und Kontrolle behält. Und ähnlich verhält es sich mit dem Flirten und Körben. Wenn du zum ersten Mal jemanden ansprichst oder deinen ersten Korb kassierst, ist die Situation neu und ungewohnt für dich. Sobald du Routine darin hast, verspürst du womöglich immer noch den Kick, hast aber keine Angst mehr vor möglichen Misserfolgen. Das heißt du sollst immer und immer wieder üben mit Menschen in Kontakt zu treten und dich auch bewusst der Erfahrung des abgelehnt Werdens aussetzen, indem du bewusst provozierst, dich darum bemühst bei jemandem abzublitzen.

5. Sei ehrlich und bringe dich mit deiner Schüchternheit ein

Schüchtern zu sein bedeutet nicht zwangsläufig immer am Rand der Party stehen zu müssen oder niemand neues kennen lernen zu können. Wie bereits mehrmals gesagt ist das Ganze Übungssache. Bis du oft genug geübt und die hier beschriebenen Tipps verinnerlicht hast, sei ehrlich und bringe dich mit deiner Schüchternheit ein. Damit meine ich sprich die Person oder Gruppe an die du kennenlernen willst und sag was du möchtest und was in dir vorgeht.

Etwa so: „Ich finde dich echt interessant und würde dich gern näher kennen lernen. Allerdings bin ich etwas schüchtern und weiß nicht so recht was ich sagen soll.“ Und schon seid ihr im Gespräch…

Fazit

„Wer nichts riskiert, riskiert alles.“ Das sollte ab jetzt dein Motto sein, wenn Schüchternheit eine Rolle in deinem Leben spielt. Denn selten bereuen wir die Dinge die wir getan haben, jedoch oft jene, die wir nicht getan haben.

Siehe auch “Endlich Stressfrei: Eine neue und sinnvolle Art mit Stress umzugehen” und “4 Gründe für überwältigendes Lampenfieber und Versagensangst und was du dagegen tun kannst”

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