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Konflikte und Auseinandersetzungen: Was tun, wenn es richtig kracht?

Für manche Paare ist schon die kleinste Auseinandersetzung ein riesiges Drama und jeder Streit ein Grund, die gemeinsame Beziehung in Frage zu stellen. Für andere wiederum ist es normal, sich lautstark anzubrüllen, sodass die Fetzen fliegen. Egal welchem Extrem du näher bist, wie sehr du dich auch bemühst, kleine Streitereien wird es in deiner Beziehung immer wieder geben. Wie aber geht man am besten mit solchen Auseinandersetzungen um? Was wenn der Partner/die Partnerin einfach nicht nachgeben will? Und wie lassen sich schwelende Konflikte am besten lösen? Hier erfährst du die wichtigsten Prinzipien konstruktiver Konfliktlösung.

Fast jeder kennt das, im einen Moment war noch alles in bester Ordnung und plötzlich befindet man sich mitten in einem Streit. Hinterher wird einem klar, dass man sich über eine Kleinigkeit oder unnötiger Weise gestritten hat und aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde. Wichtig zu verstehen und zu akzeptieren ist, solche „angeregten Diskussionen“ können immer wieder vorkommen und das ist okay. Auch große Meinungsverschiedenheiten, die zu heftigen Auseinandersetzungen führen, dürfen vorkommen. Entscheidend ist aus dem Drama kein Drama zu machen und sobald man sich beruhigt hat, auf den Partner/die Partnerin einzugehen. Hinter jeder noch so verletzenden Aussage und hinter jedem noch so gemeinen Angriff verbirgt sich ein verletztes oder unerfülltes Bedürfnis, welches es herauszufinden gilt. Gelingen wird dir dies jedoch nur in einem exzellenten Zustand. Deswegen spielt auch in der Konfliktlösung dein Personal Power State eine wichtige Rolle.

Zuerst aber noch vier Fehler, die wahrscheinlich jedem Paar hin und wieder mal passieren. John Gottman, renomierter Psychologe, Professor und einer der Experten auf dem Gebiet der Paartherapie, bezeichnet diese Verhaltensmuster als die Vier Reiter der Apokalypse in Beziehungen. Auch wenn es menschlich ist den einen oder anderen Reiter manchmal zu benutzen, ist es enorm wichtig, sie so gut es geht bewusst zu vermeiden. Denn häufig eingesetzt versetzen die vier Reiter euch beide in einen destruktiven Zustand (State), der eure Beziehung in eine negative Abwärtsspirale manövriert.

1. Apokalyptischer Reiter: Kritik

Auch wenn Kritik, von allen Reitern, die geringste destruktive Macht besitzt, ist ihr Zerstörungspotential immens. Es ist zwar wichtig deinem Partner/ deiner Partnerin mitzuteilen, wenn dich etwas stört, doch es kommt auf die Art und Weise an.

„Jetzt beeile dich, ich habe dir doch gesagt, dass um fünf Uhr Treffpunkt ist. Jedes Mal bist du zu spät dran! Kannst du nicht einmal pünktlich sein?“

„Du hast doch gesagt, dass du die Wäsche aufhängen würdest, aber sie liegt noch immer im Wäschekorb! Nie machst du das, was du sagst.“

2. Apokalyptischer Reiter: Verachtung

Verachtung kann noch verheerenderen Schaden anrichten, als Kritik es vermag. Es geht dabei um eine Abwertung und Herabwürdigung des Partners aufgrund von Beschimpfungen, Beleidigungen, abfälligen Bemerkungen, Zynismus, Spott und Hohn.

„Sag mal, was ist los mit dir, bist du wirklich so schwer von Begriff? Ich habe gesagt, wir müssen um fünf Uhr dort sein!“

„Das nennst du Wäsche aufhängen? Bist du so blöd oder stellst du dich nur so? Danke!“

3. Apokalyptischer Reiter: Rechtfertigung

Wenn du Ziel von einem der ersten beiden apokalyptischen Reiter wirst, sprich von deinem Partner kritisiert oder verachtend behandelt wirst oder dich auf sonst irgendeine Art und Weise angegriffen oder verletzt fühlst, wirst du meistens dazu neigen, dich rechtfertigen oder verteidigen zu wollen. Dieses Verhalten wird uns in den meisten Fällen von klein an vorgelebt und ist in unserer Gesellschaft akzeptierter als jemanden zu kritisieren oder zu verachten. Es erscheint uns sogar als gerechtfertigt uns zu verteidigen, da unser Gegenüber uns doch angegriffen hat. Doch die Rechtfertigung zählt aus gutem Grund zu den apokalyptischen Reitern. Sie verhindert eine Lösung des Konfliktes und trägt zu weiteren Spannungen bei…

„Wenn du nicht so lange im Bad gebraucht hättest, hätte ich mich früher duschen können und wäre rechtzeitig fertig geworden.“

„Ich konnte die Kluppen nirgends finden. Sie waren nicht da wo sie sonst immer sind. Da ich viel zu tun habe, hatte ich keine Zeit ewig danach zu suchen.“

4. Apokalyptischer Reiter: Mauern

Wenn die emotionale Intensität und Beteiligung, sowie die Spannungen immer weiter steigen, kann es leicht passieren, dass du eine abwehrende Haltung einnimmst und nicht mehr bereit bist auf deinen Partner einzugehen. Die verurteilenden Gedanken nehmen überhand und das Mauern macht es für den Moment unmöglich die Auseinandersetzung zu lösen.

Der Schlüssel zur Lösung

Die vier apokalyptischen Reiter sind deswegen so zerstörerisch, weil sie den Kontakt zu ihren Bedürfnissen verloren haben und ihren Fokus lediglich auf Fehler und Taten von sich selbst oder des Partners richten. Abgesehen davon, dass wir den anderen oder uns selbst dadurch auf ein gewisses Verhalten reduzieren, führt das wie gesagt dazu, dass wir uns in einen aggressiven, verletzten und/oder abwehrenden State begeben, welcher eine Lösung des Konflikts verhindert. Doch um Auseinandersetzungen lösen und Verletzungen heilen zu können, müssen wir unseren Fokus verändern. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf deine Bedürfnisse und die deines Partners richtest, versetzt du dich in einen ergiebigen Zustand und kannst aus deinem Personal Power State heraus agieren, in dem gegenseitige Empathie und konstruktive Gespräche wieder möglich sind.

Eine wichtige Grundeinstellung ist, dass hinter jedem Verhalten, egal wie negativ es dir auch erscheinen mag, eine positive Absicht steckt. Nämlich die positive Absicht sich ein unerfülltes oder verletztes Bedürfnis zu erfüllen. Das heißt natürlich nicht, dass du negative Verhaltensweisen anderer Personen gut finden musst. Jedoch ist es gut zu wissen, dass die Person nicht böswillig handelt, sondern lediglich versucht sich ein unerfülltes oder verletztes Bedürfnis zu erfüllen und bloß nicht gelernt hat, dieses in Konfliktsituationen besser zu kommunizieren. Das heißt in Zukunft sieh negative Verhaltensweisen nicht mehr als böswilligen oder gemeinen Angriff an, sondern verstehe sie als Bitte. Als Bitte endlich verstanden und geliebt zu werden.

Eine Anleitung zur Konfliktlösung und Friedensstiftung

  1. Innehalten und Atmen

Dieser Schritt ist (nur) dann notwendig, wenn du gerade emotional bist. Sprich wenn du dich gerade in einem schlechten State befindest, weil du dich ärgerst oder verletzt bist. Atmen stärkt das parasympathische System und reduziert die Stressreaktionen des Körpers.  Dadurch kannst du kannst dem Fight-Flight-Impuls entgegenwirken, um dich in einen ergiebigen State zu versetzen und wieder klar denken zu können.

  1. Verurteilende Gedanken identifizieren

Werde dir über deine verurteilenden Gedanken bewusst. Zum Beispiel: „Sie ist so eine blöde Kuh.“ oder „Er ist so ein Arsch.“ Ebenfalls in diese Kategorie zählen die vier apokalyptischen Reiter.

  1. Kontakt zu Bedürfnissen herstellen

Frage dich welches bzw. welche Bedürfnisse durch deinen Partner verletzt wurden und hinter den verurteilenden Gedanken stecken.
Beispiele für Bedürfnisse sind: Liebe, Respekt, Fairness, Sicherheit, Abwechslung, Entwicklung etc.

  1. Gefühle und Bedürfnisse kommunizieren

Im letzten Punkt geht es darum, die identifizierten Bedürfnisse samt deiner Gefühle deinem Partner mitzuteilen und ihn um eine konkrete Handlung zu bitten, wie er das Bedürfnis erfüllen kann. Achte dabei strikt darauf die apokalyptischen Reiter Kritik und Verachtung in Bedürfnisse bzw. Wünsche umzuwandeln und „Ich-Botschaften“ zu verwenden.

Beispiel: „Ich habe gerade bemerkt, dass du nicht wie ausgemacht die Wäsche aufgehängt hast und bin wirklich wütend darüber. Mir ist wichtig, dass wir in unserer Beziehung fair miteinander umgehen, die Aufgaben gleichmäßig aufteilen und uns an Vereinbarungen halten. Bitte häng die Wäsche heute noch auf.“

Nicht immer ist die Handlung, die du dir von deinem Partner wünschst, so eindeutig wie in diesem Beispiel. Wenn dein identifiziertes Bedürfnis beispielsweise Zuneigung ist, gibt es viele Möglichkeiten dieses zu erfüllen. Nenne deinem Partner/deiner Partnerin in so einem Fall, welche konkrete Handlung du dir von ihm/ihr wünschst. In diesem Fall könnte das bedeuten, dass du jeden Morgen kuscheln willst, mindestens zweimal die Woche Sex möchtest, einmal in der Woche einen Abend für euch alleine etc.

Das klärende Gespräch

Wenn es sich um einen länger anhaltenden oder immer wiederkehrenden Konflikt handelt, ist es empfehlenswert sich Zeit für ein klärendes Gespräch zu nehmen. In diesem gibt es die Rollen des Sprechers und des Zuhörers, welche immer wieder wechseln. Der Sprecher hat die Aufgabe, sich an die Anleitung zur Konfliktlösung zu halten. Der Zuhörer hat die Aufgabe mitfühlend zuzuhören und sich in seinen Partner hineinzuversetzen, um die Welt aus seinen Augen zu betrachten. Diese Art des Gesprächs kann sehr heilsam sein und zu einem neuen Verständnis beitragen. Voraussetzung für eine Lösung ist, dass sich beide Partner vom jeweils anderen verstanden fühlen. Ist das nämlich nicht der Fall, kommt es aufgrund der noch bestehenden Verletzungen garantiert zu Missverständnissen, welche eine Lösung des Konflikts unmöglich machen.

Fazit

Wenn du dich darin übst, die hier vorgestellten Methoden anzuwenden, wirst du die eine oder andere Auseinandersetzung vermeiden und Streitereien schneller beenden können. Solltest du trotz all deiner Bemühungen einen scheinbar unüberwindbaren Konflikt in deiner Beziehung haben, suche dir, wenn möglich, professionelle Hilfe. Selten gelingt es Paaren lang anhaltende oder immer wieder kehrende Konflikte alleine zu lösen. Ein neutraler Dritter kann dich/euch dabei unterstützen, die lang ersehnte Lösung zu finden.

Siehe auch “3 Geheimnisse glücklicher Beziehungen voller Leidenschaft und Liebe” und “Schüchternheit: Was du tun kannst, um im Umgang mit anderen selbstbewusst zu werden”

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