Enter your keyword

4 Gründe für überwältigendes Lampenfieber und Versagensangst und was du dagegen tun kannst

Es ist eines der größten und verbreitetsten Probleme unserer Zeit. Das Unbehagen vor Menschen zu sprechen oder in irgendeiner anderen Art aufzutreten. Kaum etwas bereitet uns so viel Druck und Kopfzerbrechen wie eine bevorstehende Rede. Was tun, wenn auch du von Stress, Lampenfieber und Versagensängsten geplagt bist? Gibt es Hoffnung auf Besserung? Hier erfährst du die gängigsten Fehler, wie du sie vermeiden kannst und einen souveränen Auftritt ablieferst.

Ganz ehrlich, kannst du dich auf eine Rede oder einen öffentlichen Auftritt freuen? Oder verlierst du dich eher in Schreckensszenarien und bist deinem Lampenfieber hilflos ausgeliefert? Hast du etwas zu sagen oder zu bieten, traust dich aber nicht, weil du Angst hast dich zu blamieren? Zerreißt es deine Brust fast vor Anspannung oder ist deine Kehle wie zugeschnürt? Ein Problem vor anderen Menschen zu sprechen haben deswegen so viele, weil sie in mindestens eine der folgenden vier Fallen tappen:

  1. Der (Irr)Glaube, dass Lampenfieber etwas Schlechtes ist
  2. Der Anspruch perfekt zu sein
  3. Schlechter Fokus
  4. Das Ausmalen eines negativen Szenarios

Diese vier Fehler führen dazu, dass du dich in einen schlechten Zustand (State) manövrierst. Dadurch bist du nicht mehr in der Lage auch nur annähernd dein volles Potential auszuschöpfen.

1. Lampenfieber durch den Glauben, dass Lampenfieber etwas Schlechtes ist

Viele Menschen glauben, dass Lampenfieber etwas Schlechtes ist und würden die Nervosität vor einem Auftritt am liebsten loswerden. Doch lasst uns das mal von einer anderen Seite betrachten. Der Schauspiellehrer und Begründer des modernen Improvisationstheaters Keith Johnstone pflegt zu sagen: „Am Anfang haben alle Angst“.

Dass Lampenfieber und die anfängliche Angst nicht nur normal sondern sogar gut sind, erläutert die renommierte Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal. Im TED-Talk „Wie man Stress zu seinem Freund machen kann“ erläutert sie die Wirkung von Stress anhand neuesten Erkenntnissen aus diversen Langzeitstudien. Kurz zusammengefasst ist es so, dass Stress schlecht und gesundheitsschädlich ist, jedoch nur wenn man das glaubt. Diese Einstellung führt nämlich zu einer Verengung der Blutgefäße, welche wiederum schädlich ist. Wenn du jedoch glaubst, dass Stress dir gut tut, dann ist das auch so. Die Blutgefäße bleiben erweitert, die schnellere Atmung versorgt das Gehirn mit mehr Sauerstoff und das pochende Herz bereitet auf eine kommende Aktion vor.

Lösung: Anstatt das so genannte Lampenfieber zu verteufeln, sei deinem Körper dankbar für den Antrieb. Durch die schnellere Atmung und den erhöhten Puls bist du handlungsschneller und besser auf die bevorstehende Herausforderung vorbereitet. Schon durch diese kleine Änderung deiner Einstellung verbesserst du deinen State erheblich.

2. Lampenfieber durch den Anspruch perfekt zu sein

In einer Welt, in der immer mehr von uns erwartet wird und die Anforderungen an uns ständig wachsen, scheint es fast logisch, perfekt sein zu wollen und Fehler zu vermeiden. Die zum Teil sehr überzogenen und unrealistischen Idealbilder, die uns von Werbung und Medien vorgegeben werden, verschlimmern das Ganze nur noch. Doch Perfektion ist nur eine Illusion. Aus der Arbeit mit meinen Klienten weiß ich, auch  Genies, Koryphäen und Stars sind nur Menschen, die Fehler haben und machen. Diesen Aspekt übersehen wir allerdings gerne, da deren Leistungen so herausragend sind, dass deren Fehler darin untergehen.

Damit du mich richtig verstehst, du kannst und sollst sehr wohl nach Verbesserung streben. Es macht allerdings keinen Sinn krampfhaft zu versuchen Fehler zu vermeiden. Das führt bloß dazu, dass du deinen State verschlechterst, starr im Denken wirst und dadurch Fehler erst recht provozierst. Perfekt sein zu wollen ist genauso sinnlos. Es hindert dich daran, ins Tun zu kommen und zu handeln. Apple hat auch nicht mit dem iPhone 6 begonnen, sondern mit, einer aus heutiger Sicht, bei weitem nicht perfekten Version. Was allerdings vorhanden war und ist, ist das vorher beschriebene Streben nach ständiger Verbesserung und Entwicklung.

Lösung: Bereite dich, so gut es geht, auf deinen Auftritt vor. Danach achte darauf und schätze was du gut gemacht hast und strebe laufend danach dich zu verbessern. Sollte einmal ein Fehler passieren, ist das in Ordnung. Frage dich jedoch, was du aus ihm lernen kannst, denn jeder Fehler birgt Potential zur Verbesserung.

3. Lampenfieber durch schlechten Fokus

Wenn man sich zu sehr auf sich selbst, seine Gedanken, Schwächen und Ängste konzentriert, dann sind Nervosität und eine schlechte Performance vorprogrammiert. Es ist essentiell, sich seine Stärken bewusst zu machen, eine gute Verbindung zu seinem Publikum aufzubauen und diese zu hegen und zu pflegen. Beides wird zu einer Verbesserung deines States führen. Im Prinzip ist es jedem von uns klar. Wann wirst du wohl eine bessere Leistung bringen und dich wohler fühlen? Wenn du dich unmittelbar vor deinem Auftritt auf deine Schwächen oder deine Stärken konzentrierst? Des Weiteren werden deine Zuhörer es merken, wenn du dich während deines Auftritts mehr mit dir selbst als mit ihnen beschäftigst. Das wird wiederum zu einem Abfall und einer schlechteren Bewertung deiner Leistung führen.

Egal ob du ein Redner, Sänger, Musiker, etc. bist, du möchtest etwas für bzw. mit deinem Publikum erreichen. Zwei Faktoren einer erfolgreichen Performance sind die Klarheit über diese Ziele und ein guter Kontakt zu deinem Publikum. Als Rockstar mag es leicht sein das Publikum mitzureißen. Bei einer Rede oder als Newcomer in der Musikszene kann das schon etwas herausfordernder sein. Manche Menschen werden dir wohlgesonnener sein als andere. Sie sind interessierter und wirken freundlicher auf dich. Stelle gerade am Anfang bewusst mehr und öfters Augenkontakt zu diesen Menschen, den sogenannten Rapport-Leadern, her. Nutze des Weiteren diese Interaktionen, um auch den Rest des Publikums für dich zu gewinnen.

Lösung: Fokussiere dich auf deine Stärken, halte Ausschau nach den Rapport-Leadern und stelle bewusst Augenkontakt zu diesen her. Beziehe sie mehr ein und sei dir des Weiteren im Klaren darüber, was du am Ende deiner Performance erreicht haben willst. Überlege dir schon vor deinem Auftritt, was alles nötig ist, um diese Ziele zu erreichen.

4. Lampenfieber durch das Ausmalen eines negativen Szenarios

Was wird wohl passieren, wenn du dir vor deinem Auftritt vorstellst, was alles schief gehen kann? Ganz genau, du wirst dich nervös und unsicher fühlen, dein State wird sich immens verschlechtern und du wirst wahrscheinlich eine dürftige Performance hinlegen, um es milde auszudrücken. Das Ausmalen möglicher Herausforderungen und Hindernisse kann allerdings auch hilfreich sein, doch viele begehen dabei einen entscheidenden Fehler.

Der Fehler ist, dass die meisten sich Worst-Case Szenarien vorstellen und es dann dabei belassen. Das führt, wie vorher beschrieben, zu einigen Problemen. Stattdessen kannst du dir während der Vorbereitung, ruhig überlegen, was alles schief gehen könnte. Danach überlege dir jedoch auch für jedes Problem, das dir einfällt, mindestens eine Lösungsmöglichkeit. Das machst du so lange bis du dich sich sicher fühlst jedem unerwünschten Szenario begegnen zu können. Der letzte Schritt besteht darin, dir das optimale und gelungene Ende vorzustellen.

Lösung: Male dir zuerst alle möglichen Probleme aus, die dir einfallen und finde für jedes eine Lösung. Danach versetze dich in dein Best-Case Szenario und stelle dir das gute Ende mit allen Sinnen vor, so als würdest du es gerade erleben. Lasse ein Gefühl von Vorfreude in dir entstehen, sodass du es kaum noch erwarten kannst, vor dein Publikum zu treten.

Das A und O deiner Performance – Dein State

Um das nochmal zu verdeutlichen: Für eine wirklich herausragende Performance ist es essentiell, dich kurz vor deinem Auftritt in den bestmöglichen Zustand (Personal Power State) zu versetzen. Dein State ist noch viel wichtiger als deine Fähigkeiten, egal ob es jetzt um eine Rede, einen sportlichen Wettkampf oder sonst eine Herausforderung geht – denn Zugriff auf all deine Fähigkeiten und dein gesamtes Potential hast du nur, wenn du dich in einem herausragenden Zustand befindest. Du kannst noch so exzellente Skills besitzen, wenn du dich in einem schlechten Zustand befindest, kannst du sie nicht abrufen. Das heißt nimm kurz vor deinem Auftritt eine selbstbewusste Körperhaltung ein und pushe dich selbst, indem du dich auf deine Stärken fokussierst und dir motivierende Dinge sagst.

Wenn du die vier beschriebenen Tipps beherzigst, bist du auf einem guten Weg deinen Zustand und deine Performance laufend zu verbessern. Sei dir allerdings bewusst, dass es „nur“ vier Tipps waren und es natürlich noch mehr Gründe und Möglichkeiten für ein Misslingen deines Auftrittes geben kann.

Fazit

Die in diesem Artikel beschriebenen Tipps können dir dabei helfen, mit Lampenfieber, anfänglicher Angst und Sorgen umzugehen. Solltest du keine merkliche Verbesserung erzielen können, obwohl du die hier beschriebenen Anregungen umgesetzt hast, wende dich an einen Experten, um einschränkende Muster und Überzeugungen zu überwinden und das Maximum herauszuholen. Denn so gut die beschriebenen Tipps auch sein mögen, die von uns selbst gesetzten Barrieren und mentalen Fesseln vermögen wir oftmals nur mit einem Mentor zu sprengen.

Siehe auch “Ziele erreichen: Warum du dir deine Wünsche und Träume bisher nicht erfüllen konntest” und “Schüchternheit: Was du tun kannst, um im Umgang mit anderen selbstbewusst zu werden”

 

Kontakt